Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
Weitere 600 bis 700 Kinder aus armen Familien können nun über die Aktion SZ-Schülerlunch kostenlos am Mittagstisch in Schulen, Kindergärten und Familienzentren teilnehmen.
Die von der Stadtsparkasse gegründete Stiftung „Soziales München“ stellt einen Betrag in Höhe von insgesamt 250 000 Euro zur Verfügung – damit steigt die Zahl der bedürftigen Kinder, die täglich eine kostenlose warme Mahlzeit bekommen, erheblich: Der SZ-Schülerlunch, für den der „Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung“ erstmals 2007 zu Spenden aufgerufen hat und Geld aus einer Erbschaft einsetzt, garantiert nun fast 2000 Kindern die Teilnahme am gemeinsamen Mittagessen.
„Neben dem praktischen Nutzen leistet das Projekt Schülerlunch auch einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag“, betonte der Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse München, Harald Strötgen. „Den Kindern und Jugendlichen bleibt die Erfahrung der frühzeitigen Ausgrenzung und Stigmatisierung als arm erspart. Das gemeinsame Mittagessen ermöglicht es ihnen, sich als Teil einer Gemeinschaft zu fühlen.“ Karl Ulrich, Vorsitzender des SZ-Adventskalenders, dankte der Stiftung der Stadtsparkasse für das große Engagement. Ulrich versicherte, dass – wie immer – „der Gesamtbetrag zu 100 Prozent an Bedürftige geht“, denn der Süddeutsche Verlag trägt alle Kosten.
Die SZ habe die Aktion Schülerlunch zu Beginn des letzten Schuljahres gestartet, weil sich gezeigt habe, „dass immer mehr Kinder mittags nichts zu essen haben“, erklärte Joachim Käppner, zweiter Vorsitzender des SZ-Adventskalenders und Ressortchef des Münchner Teils. Für die Ernährung eines Kindes sind im Hartz-IV-Regelsatz nicht einmal drei Euro für alle Mahlzeiten und Getränke an einem Tag vorgesehen. Allein der Mittagstisch an Schulen und in Kinderbetreuungseinrichtungen aber kostet meist zwischen drei und fünf Euro täglich. Da sei es nicht verwunderlich, wenn sich Eltern nicht in der Lage sehen, das Essensgeld aufzubringen, so Strötgen.
Im vergangenen Schuljahr sicherte der Schülerlunch mit einem Betrag in Höhe von 470 000 Euro rund 1300 Kindern die kostenlose warme Mahlzeit. Durch die Hilfe der Stiftung Soziales München der Stadtsparkasse können nun in diesem und im nächsten Schuljahr weitere 600 bis 700 bedürftige Kinder in 53 ausgewählten Förderzentren, Grund-, Haupt- und Realschulen, Gymnasien, Kinder- und Familienzentren sowie Tagesheimen den Mittagstisch bekommen. Die zum 850. Geburtstag der Stadt gegründete Stiftung habe es sich zur Aufgabe gemacht, „Menschen, die bereits am Rande der Gesellschaft leben, zurück in die Mitte der Gemeinschaft zu holen“, sagte Strötgen.
In diesem Schuljahr stehen für den Schülerlunch nunmehr insgesamt mehr als 700 000 Euro zur Verfügung, freut sich Adventskalender-Geschäftsführerin Claudia Strasser. Neben dem Münchner Teil haben in diesem Schuljahr erstmals auch die Landkreisredaktionen zu Spenden aufgerufen. Unterstützung kam ebenso von OB Christian Ude und Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, die in einer Dialogpredigt und einem gemeinsamen Brief zu Spenden für den Mittagstisch aufgerufen hatten. Nach Schätzungen des Münchner Sozialreferats können sich Eltern von mehr als 4000 Kindern das Essensgeld nicht leisten.
Wie überaus wichtig das kostenlose Essen ist, beschreibt der Sozialpädagoge Robert Kraus vom Team der Schulsozialarbeit an der Hauptschule in der Guardinistraße. Dort erhalten in diesem Schuljahr 105 Schüler aus sozial und wirtschaftlich benachteiligten Familien kostenlos ein warmes Essen. Dies sei eine „große Unterstützung und Erleichterung“, denn die Teilnahme am Mittagessen macht die Kinder auch zugänglich für das daran anschließende umfangreiche Betreuungsangebot, „das gerade für die jüngeren Kinder unserer Schule einen sicheren Hafen darstellt“.
Die Artikelserien zum Schülerlunch im Münchner Teil der SZ haben auch den Druck erhöht, das Problem endlich politisch zu lösen. Zuständig dafür wäre der Bund. Doch weil sich in Berlin nichts tut, hat die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer angekündigt, der Freistaat werde einen Euro pro Mittagessen für bedürftige Kinder dazuzahlen, wenn die Kommunen mindestens den gleichen Betrag aufwenden. Der Rest soll dann aus Spenden finanziert werden. Der Bayerische Städtetag erkennt ebenso die „soziale Notwendigkeit, auch wenn die Übernahme der Kosten für die Mittagessen von Kindern bedürftiger Eltern Aufgabe des Bundes und nicht der Städte ist“. Den Kommunen sei „das Problem bewusst, dass die im Regelsatz enthaltenen 1,30 Euro für ein Mittagessen nicht ausreichen und viele Kinder kein Mittagessen bekommen“. Der Vorstand des Städtetags will sich bei seiner Sitzung am 17. Februar mit dem Vorschlag der Sozialministerin befassen. Nach ersten Berechnungen des Städtetages ist die Zahl der bedürftigen Familien vom Freistaat viel zu niedrig angesetzt.