Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
Manchmal, wenn der Papa dem Bub über den Kopf streichelt, dann sagt Thomas: „Das hat Mama auch gemacht.“ Die Mama ist nicht mehr da, er weiß aber nicht, warum. Ali Yildirim, sein Vater, will ihm die ganze Wahrheit nicht zumuten, erzählt dann, dass die Mama in ihrem Land sei, und wenn er groß ist, der Junge, dann werde er sie bestimmt wieder sehen.
Die Wahrheit wäre, dass Thomas’ Mutter keinen Kontakt wolle, sagt der Vater, die Trennung der Eltern war konfliktreich. Der 28-Jährige lebt allein mit seinem siebenjährigen Sohn.
Bis vor eineinhalb Jahren war der Vater selbständig, hatte eine eigene, kleine Reinigungsfirma, aber als ein Kunde nach dem anderen pleiteging, musste auch er aufgeben. Seither ist Ali Yildirim arbeitslos. Einen neuen Job findet er nicht, denn nachmittags muss und will er für sein Kind da sein, und wenn ein potentieller Arbeitgeber das hört, dann winke er ab. Wie gerne würde er doch arbeiten, gerne auch mehr als ein paar Stunden, vorausgesetzt der Sohn findet eine Nachmittagsbetreuung. Wegen Mietrückstands hat der Vermieter der kleinen Familie gekündigt, der Vater fürchtet, im Januar mit seinem Bub in eine Notunterkunft umziehen zu müssen. Dann wären sie noch tiefer in der Sackgasse. Tag und Nacht quält den Vater die Frage, wie er wieder auf die Beine kommen kann, es geht ja auch um die Zukunft des Kindes.
Thomas lebte die vergangenen Jahre in der Türkei bei einer Tante. Der Vater hatte ihn in der Not dorthin geschickt, nachdem die Mutter ausgezogen war. Da hoffte er noch, seine Firma durch die Krise zu bringen. Heute bereut es Ali Yildirim, denn als er Thomas diesen Sommer zurück nach München holte, hatte der Junge Deutsch fast ganz verlernt. Entsprechend schwer tut er sich jetzt in der Schule. Doch regelmäßige Nachhilfe ist einfach zu teuer. Der Vater muss schauen, dass genügend zu essen da ist. Wie gerne würde er seinem Kind ein eigenes Bett kaufen und das Zimmer gemütlich einrichten, wenn es geht mit einem Schreibtisch, das wäre gut für die Schule. Dass der Junge sich Lego wünscht zu Weihnachten, das weiß der Vater, allein, er hat nicht das Geld, es zu kaufen. (Namen geändert.)
(SZ vom 02.12.11)