Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
Weihnachten? Maria Schiefer (Name geändert) zuckt mit den Schultern. Eine abweisende Bewegung, als wolle sie einen unangenehmen Gedanken schnell loswerden.
Die Abende, an denen andere feiern, sind für sie besonders quälend. „Ich schau’, dass ich schnell ins Bett komme“, sagt sie. Was noch lange nicht heißt, dass es ihr gelingen wird, ihre triste Situation zu verdrängen. Die zierliche Frau hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich, und wenn sie erzählt, klingt das seltsam distanziert, als rede sie über einen anderen Menschen.
Nach 14 Jahren wurde die zweite Ehe der 65-Jährigen in diesem Jahr geschieden. „Ich habe schnell gemerkt, dass es Gewalt gibt“, sagt sie. Aber sie habe mit der Trennung gezögert, weil schon ihre erste Ehe gescheitert war. Dass es Gewalt „gab“, bedeutete im Fall von Maria Schiefer: Ihr Mann schlug sie jahrelang, misshandelte sie. Notarzt, Polizeieinsatz, Krankenhaus, der Schrecken hat die gelernte Scheiderin über Jahre begleitet. Um die Gewaltausbrüche zu beschreiben, gebraucht Schiefer drastische Bilder. Zum Beispiel, dass „keine Tür in den Angeln geblieben ist“ an solchen Abenden. Bis heute leidet sie an den Folgen der Verletzungen, der Prellungen, Knochenbrüche. Dass ihr lange der Mut fehlte, die Scheidung voranzutreiben, lag nicht nur an der Angst vor Racheaktionen. Es war auch die Furcht vor dem Absturz in die Armut. Jetzt lebt Schiefer, die ihre Eltern in jungen Jahren durch eine Familientragödie verlor, von einer kleinen Altersrente. Mehr als 200 Euro im Monat bleiben ihr nicht. Einen Wintermantel braucht Maria Schiefer dringend. Eine Zeitschrift, ein Friseurbesuch würden ihr Freude machen. Was sie am Leben hält, sagt sie, ist ihre Katze Lucy.
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(SZ vom 18.12.09)