SZ Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung

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04.12.2008

Ein Vater mit Krebs, ein tragischer Tod und zwei kranke Kinder

Berta Lieblich wünscht sich eine Viertelstunde. Ein paar Minuten Ruhe nur. Aber wie soll sie sich diese Zeit leisten? Wenn es so etwas wie ein Schicksal gibt, dann hat es dieses Schicksal nicht gut gemeint mit Familie Lieblich.



Vor zehn Jahren fing es an, da sagten die Ärzte Martin Lieblich, dass er Krebs hat, 28 Jahre alt war er damals. Er hat die Therapie durchgestanden, und ein paar Jahre später war die Krankheit zumindest gestoppt. 2002, die Lieblichs wohnten in Berlin, geschah das Schlimmste im Leben der Familie: Die Mutter war mit dem zweiten Kind schwanger, ihr erster Sohn war 14 Monate alt. Bei einem Unfall in der Wohnung kam der kleine Junge ums Leben, er starb in den Armen der Mutter. Die Bilder dieser Minuten verfolgen Berta Lieblich seither, jeden Tag.

Leere Wohnung

Als Maximilian 2003 zur Welt kam, beschlich die Eltern bald eine Ahnung, inzwischen wissen sie, dass er autistisch ist. Der Bub, heute fünf Jahre alt, leidet an schweren Schlafstörungen, schaukelt nachts in seinem Bett, auch tagsüber, dann auf dem Sofa. Er zerstört Spielsachen, Bett, Kleidung – Folgen der Krankheit. Er muss gewickelt werden, und wenn er mit seinen jüngeren Geschwistern spielt, kann er keine Minute allein gelassen werden.
Vincent, kam 2005 zur Welt. Er ist gesund, aber die Eltern haben ein schlechtes Gewissen, weil er zu kurz kommt. Johanna erlitt bei ihrer Geburt einen Sauerstoffmangel, sie kann mit ihren 18 Monaten gerade mal krabbeln, auch sie muss ständig umsorgt werden.
Der Vater ist seit Beginn seiner Krankheit arbeitslos, auch eine Umschulung half nichts. Die Mutter, ausgebildete zahnmedizinische Assistentin, kann nicht arbeiten, die Familie braucht sie. Der Mann leidet sehr unter dieser Situation, wirkt depressiv. Berta Lieblich, 33, macht sich große Sorgen. Dass sie selbst an einer Verkrümmung der Wirbelsäule leidet, vergisst sie dann.
Vor ein paar Monaten ist die Familie aus dem Münchner Umland in die Stadt gezogen, nachdem ihr Vermieter wegen Eigenbedarfs die Wohnung gekündigt hatte. In München fanden sie einen guten Vermieter, obwohl sie von Hartz IV leben. Sie haben eine geräumige Wohnung, ein Lichtblick. In der Wohnung aber befindet sich nur das Nötigste, die Matratzen der Eltern liegen auf dem Boden, wochenlang lebten sie ohne Herd, Kühlschrank, Waschmaschine. Jetzt haben sie die Geräte, sie sind aber noch nicht bezahlt.
Es gibt nur zwei Lampen in der Wohnung, keine Vorhänge, und die Kinderzimmer sind so gut wie leer. Lebensmittel kaufen sie kurz vor dem Verfallsdatum, dann sind sie billiger. Die Mutter träumt von einem Schaukelpferd für Maximilian, stabil muss es sein, und deshalb ist es unerschwinglich. Eine neue Couch wäre schön, und eben ein paar Stunden Ausspannen, aber dafür bräuchten sie eine Betreuungsperson. In München fühlen sich die Lieblichs gut behandelt im Sozialbürgerhaus. Die Mitarbeiter würden gerne helfen, gerne mehr Geld geben, aber die Vorschriften verbieten das. „Wir haben immer wieder versucht, auf die Beine zu kommen“, sagt die Mutter. „Immer wieder, immer wieder.“ Sie wollen es auch weiter versuchen.  (Namen geändert)

Wer helfen will, wird um ein Geldgeschenk gebeten, das überwiesen oder Montag bis Freitag von 9.30 bis 18 Uhr und an allen Samstagen im Dezember von 9.30 bis 15 Uhr im SZ-Servicezentrum, Sendlinger Straße 8, eingezahlt werden kann.

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(SZ vom 4.12.08)