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16.12.2011

SZ vom 16.12.11

Flucht vor den Schlägen

Es war wohl ein glücklicher Zufall. Oder Fügung. In jedem Fall hat sich das Leben von Susanna S. geändert durch die Begegnung in der Trambahn. Eine Frau sei neben ihr gesessen, erinnert sich die 28-Jährige, schwanger wie sie. Sie kamen ins Gespräch, die Frau merkte, dass es Susanna S. nicht gut ging. Und plötzlich vertraute sich die Kenianerin der Fremden an.



Erzählte von Schlägen, von der Angst. Die Frau wusste eine Adresse. So landete sie in einem Schutzhaus.
Heute lebt Susanna S. mit ihrer kleinenTochter in einer Einrichtung für Mutter und Kind. Ein Zimmer haben die beiden für sich, nur der Teppich in Zebra- Optik erinnert an ihre ehemalige Heimat. Susanna S. kam aus Kenia nach Deutschland. Dort hatte sie als Reiseleiterin gearbeitet. Sie lernte ihren Mann bei der Arbeit kennen; ein Jahr lang hatten sie sich Mails geschickt, dann fragte er bei ihrer Familie um ihre Hand an. Eine romantische Vorgeschichte – ohne Happy-End. Ihr Mann, sagt Susanna S., habe sie als billige Putzfrau benutzt, sie geschlagen, psychisch unter Druck gesetzt. „Das war eine schlimme Zeit.“ Eines Tages, als er in der Arbeit war, ist sie davongelaufen.
Zurück nach Kenia könne sie nicht, sagt Susanna S. – oder wenn, dann nur ohne ihre Tochter. Denn noch haben sie und ihr Ex-Mann gemeinsames Sorgerecht; obwohl er keinen Unterhalt zahlt. Um irgendwann wieder allein für sich sorgen, in einer eigenen Wohnung leben zu können, macht Susanna S. nun einen Computerkurs. Krankenpflegerin möchte sie werden, das sei, sagt sie, „eine sinnvolle Aufgabe“. Bis sie mit der Ausbildung fertig ist, braucht sie Hilfe. Ein Fahrrad mit Kinderanhänger wünscht sie sich, Kleidung und Spielzeug für die Tochter.

(SZ vom 16.12.11)