SZ Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung

FORMULARE

BITTE BEACHTEN SIE

Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)

19.11.2011

Der Rückblick: SZ vom 19.11.11

"Es waren wunderbare Stunden"

Tausenden bedürftigen Menschen in München und der Region haben die SZ-Leser bei der 62. Aktion des „Adventskalenders für gute Werke der Süddeutschen Zeitung“ geholfen. Bevor nächste Woche die 63. Spendenaktion startet, hat sich die SZ bei vier Spendenempfängern erkundigt, wie es ihnen heute geht.



Was sie vermisst? Vor einem Jahr musste Susanne Högl (Name geändert) lange überlegen. Sie und ihre vier Kinder waren doch zufrieden. Dass ihr Jüngster mit Trisomie 21, dem Downsyndrom, auf die Welt gekommen war, ist einerseits eine Belastung. Sie empfindet es aber auch bereichernd: „Ich bin gewachsen an meinem Sohn.“ Dass die alleinerziehende Mutter wenig Geld hat für sich und ihre Kinder, daran hatten sie sich gewöhnt. Dann kam die Spende vom Adventskalender, und plötzlich war Weihnachten. Ein Fest mit Geschenken, nach vielen Jahren. Lisa, 17, die älteste Tochter, konnte zudem an der Klassenfahrt nach London teilnehmen und hatte sogar Taschengeld einstecken. Die Mutter hat sich ein Bett gekauft und eine Matratze, aus dem alten Bett war sie fast rausgefallen, so schief und wacklig war es. Einen funktionierenden Wasserkocher haben sie jetzt auch in der Küche, und ein neues Schränkchen.
„Wir waren plötzlich reich“, sagt die 43-Jährige, die es gewohnt ist, sich zu bescheiden. Das Schönste aber sind immer noch die Erinnerungen. An Holland. Das war ihr Traum: einmal Urlaub mit den Kindern, einmal ans Meer. Also haben sie von ihrer Unterkunft aus einen Tagesausflug gemacht an den Strand. Wasser, Wind, Wellen. Sie haben ein Picknick im Sand gemacht, und es war, als würde der Alltag weggeweht. „Vor lauter Glück…“ sagt Susanne Högl, überlegt, schweigt. „Es waren wunderbare Stunden.“
Auch für Fausta Weber war 2011 ein gutes Jahr . „Es ist mir noch nie so gut gegangen“, sagt sie. Und das will etwas heißen. Denn vor einer Woche ist die 80-Jährige in ihrer Badewanne gestürzt und hat sich eine Gehirnerschütterung zugezogen. Das kann aber ihre positive Bilanz nicht trüben. Als sie im Dezember 2010 das Geld vom SZ-Adventskalender bekam, war das der Beginn großer Veränderungen in ihrer Wohnung, die der gebürtigen Italienerin das Leben erleichtern.
Der dunkle, zerschlissene Teppichboden wurde ausgetauscht, die Wand gestrichen – überall waren noch die Spuren zu erkennen gewesen, die die jahrelange Pflege ihres alzheimerkranken Mannes hinterlassen hat. Fausta Weber (Name geändert) hat über Jahrzehnte in der Gastronomie hart gearbeitet, die Ehe mit ihrem Mann war schwer für sie. Doch als er dement wurde, brachte sie es nicht über sich, ihn in ein Pflegeheim zu bringen. Die Ärzte ermahnten die zierliche Frau immer wieder vergebens, auch an ihre eigene Gesundheit zu denken. Fausta Weber leidet unter Kreislaufproblemen und einer schleichend fortschreitenden Augenkrankheit. Die Kosten für die Medikamente übernimmt die Kasse nicht.
Jetzt, im Alter, konnte sie sich dank der Spenden einige Herzenswünsche erfüllen. Eine Isolierung des nackten Betonfußbodens in ihrem Schlafzimmer, sauber gestrichene Wände, ein neuer Teppichboden, der so flauschig ist, dass sie nachts auf nackten Füßen ins Bad gehen kann. „Das ist so wunderbar, ich kann es gar nicht beschreiben“, sagt sie. Eine helle Farbe habe sie für den Teppich ausgewählt, das mache ihr immer wieder Freude, gerade an trüben Tagen. Mit einem Daunenmantel, der bis über die schmerzenden Knie reicht, und warmen Stiefeln konnte sie sich für den Winter ausrüsten. Und am Weihnachtsabend des vergangenen Jahres gab eszum ersten Mal seit langer Zeit wieder einen Braten. „Das hat mir gut getan. Ich habe mich so menschlich gefühlt.“
Verändert hat sich auch das Leben von Dalia E.: „Es ist ein ganz anderes“, sagt Dalia E., ein Leben in Freiheit, selbstbestimmt – und ohne Angst. Vor einem Jahr war Dalia E. gerade aus dem Frauenhaus ausgezogen, in eine kleine Wohnung. Kahl waren die Wände, kahl der Boden. Heute stehen ein Sofa und ein Bett für ihren fünfjährigen Sohn Kaled in dem Appartement, ein flauschiger lila Teppich liegt auf dem Boden. Dalia E. hat sich von Spendengeldern des SZ-Adventskalenders ihre Wohnung einrichten können, gemütlich ist es nun dort. Dass Dalia E. zur Ruhe gefunden hat, liegt sicher auch an dem neuen Zuhause.
In ihrem alten hatte sie schon Angst, wenn nur die Wohnungstür klapperte, wenn ihr Mann wieder einmal betrunken nach Hause kam. Oft schlug er sie dann. Manchmal nahm er ihr das Handy ab, um sie zu isolieren. Und damit sie nicht die Polizei verständigen konnte. Wie ihr Mann stammt Dalia E. aus dem Iran, 2005 hatten sie geheiratet, kurze Zeit später begannen die Übergriffe. Bis zu dem Tag, an dem er ihr Konto plünderte, hatte sich Dalia E. nicht getraut, zur Polizei zu gehen. Da sie aber nicht wusste, wer das Geld entwendet hatte, erstattete sie Anzeige – so kam der Fall ins Rollen. Heilfroh ist sie heute, dass sie sich später zur Anzeige gegen ihren Peiniger entschloss. Der hat zwar nach wie vor Besuchsrecht für den Sohn, aber seit vier Monaten hat Dalia E. von ihm nichts mehr gehört. „Vermutlich ist er im Gefängnis“, sagt die zierliche Frau, „aber ich weiß es nicht genau“. Hauptsache, sie kann ruhig schlafen, weil er sie nicht mehr bedroht. Und sie dank der Spenden der SZ-Leser die Schulden bei ihrer Freundin zurückzahlen konnte. 500 Euro war ihr Konto im Minus gewesen, nachdem ihr Mann es abgeräumt hatte. Die Freundin hatte Dalia E. das Geld geliehen. „Das war mir so peinlich. Aber jetzt ist alles gut.“
Über die „große Hilfe“ freut sich auch Sabine G. noch immer, denn sonst hätte sie den defekten, alten Backofen nicht ersetzen können. Obwohl ihr Mann Vollzeit arbeitet, lebt die fünfköpfige Familie am Existenzminimum. Diesmal gab es Geschenke, eine Puppe für die Jüngste, eine Holzeisenbahn für den Sohn, „Anziehsachen“ für die ältere Tochter. Auch ein besonderer Weihnachtswunsch ließ sich erfüllen: Sabine G. konnte es sich nach langer Zeit erstmals wieder leisten, ihre Eltern in Thüringen zu besuchen. Groß war die Freude: „Für die Kinder ist ganz wichtig, dass die Eltern nicht resignieren.

Unser Spendenkonto
Wer bei der 63. Spendenaktion helfen will, wird um ein Geldgeschenk gebeten, das überwiesen werden kann. Bareinzahlungen sind Montag bis Donnerstag von 9.30 bis 18 Uhr sowie Freitag und Samstag von 9.30 bis 16 Uhr im SZ-Servicezentrum, Fürstenfelder Straße 7, möglich. Sicher online spenden können Leser über die Adventskalender-Seite im Internet unter www.sz-adventskalender.de.

„Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung e.V.“
Stadtsparkasse München
Konto-Nr.: 600 700
BLZ: 701 500 00


Spenden für das SZ-Hilfswerk sind steuerlich abzugsfähig; bis zu einem Spendenbetrag in Höhe von 200 Euro reicht der vereinfachte Nachweis. Bei Spenden in Höhe von mehr als 200 Euro senden wir Ihnen die Spendenbestätigung zu, sofern auf der Überweisung der Absender vollständig angegeben ist. Jede Spende wird vollständig, also ohne jeglichen Abzug, dem guten Zweck zugeführt. Alle Sach- und Verwaltungskosten, die für die Hilfsaktion entstehen, trägt der Süddeutsche Verlag.

(SZ vom 19.11.11)