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23.12.2011

SZ vom 23.12.11

Ende eines Traums

Stefanos Siafarika (Name geändert) hat schon immer gerne Basketball gespielt – und der 21-Jährige hat den Sport früher richtig gut beherrscht. Kein Wunder, bei einer Körpergröße von 2,22 Meter. Und kein Wunder, dass schon bald die Profivereine aufmerksam wurden auf den jungen Mann aus München.



Bevor Stefanos einen Vertrag bei Panathinaikos Athen unterzeichnete, musste er sich ärztlich untersuchen lassen. Reine Routine, hieß es – doch das Ergebnis dieser Untersuchung veränderte sein Leben.
Weil Stefanos völlig ungewöhnliche Herzwerte hatte, schickte ihn der Kardiologe zu einem Endokrinologen. Dieser stellte fest, dass Stefanos unter Gigantismus leidet aufgrund einer übergroßen Hypophyse, die sich tumorartig im Gehirn ausbreitet. Im Januar 2011 wurde er operiert, und zunächst schien alles gut gegangen zu sein. Doch nach drei Tagen fühlte sich Siafarika seltsam, er wollte von seinem Krankenbett aus den Notruf betätigen, doch er erreichte ihn nicht mehr, bevor er kollabierte. Wasser hatte sich in seinem Gehirn gesammelt, so dass ein Drainageschlauch eingesetzt werden musste. Doch es gab neue Probleme, Stefanos zog sich eine Entzündung zu, man brachte ihn ins künstliche Koma.
Einen Monat lag er bewegungslos in seinem Krankenbett, wurde künstlich beatmet und über eine Magensonde ernährt. Dann verbesserten sich die Entzündungswerte langsam, und nach fünf weiteren, schier endlos scheinenden Wochen konnte Stefanos Siafarika wieder sprechen und seinen Kopf bewegen.
Während dieser Zeit nächtigte seine Mutter auf einer Matratze am Boden, gleich neben dem Bett ihres Sohnes. „Mein Kind lag im Sterben“, sagt sie, „da lasse ich es keinen Tag allein.“ Dann kommen ihr die Tränen. Die Sorgen um ihr Kind haben auch ihr stark zugesetzt. Stefanos ist mittlerweile zu Hause, doch er sitzt gelähmt im Rollstuhl, außerdem leidet er seit der Operation unter Sehproblemen. Weil die Wohnung der Familie im ersten Stock liegt, kann Stefanos sie kaum verlassen. Seine Mutter schafft es nicht, den Rollstuhl samt ihrem großen Sohn die Treppen hinauf und hinunter zu bugsieren.
Sie versucht trotzdem, ihm das Leben zu erleichtern – mit Folgen für ihr eigenes. Die einst quirlige Wirtin und erfolgreiche Bankangestellte leidet mittlerweile selbst an schweren Wirbelsäulenschäden und Depressionen. Stefanos und seine Mutter leben von Arbeitslosengeld, doch für viele Dinge reicht das nicht aus. Stefanos benötigt ein spezielles Prisma für sein Auge, er bräuchte dringend neue Kleidung und Schuhe in Übergröße sowie spezielle Windeleinlagen. Außerdem ist die Familie auf der Suche nach einer barrierefreien Wohnung, damit Stefanos auch ohne fremde Hilfe nach draußen kann.

(SZ vom 23.12.11)