Bis 200 Euro reicht der vereinfachte Spendennachweis zur Vorlage beim Finanzamt (siehe Formulare)
Auch wenn Tod und Sterben für viele Menschen verdrängte Tabuthemen sind, so wissen die meisten eines doch genau: Nicht in einer anonymen Klinik, sondern in der vertrauten häuslichen Umgebung soll ihr Leben einmal zu Ende gehen. Die Betreuung eines Todkranken bedeutet für Familie und Angehörige jedoch eine enorme Belastung.
Unterstützung finden Betroffene im Landkreis jetzt bei einem Team qualifizierter Ärzte und Pflegekräfte, die eine sogenannte spezialisierte ambulante palliativmedizinische Versorgung (SAPV) rund um die Uhr sicher stellen.
Ein gesetzlicher Anspruch auf diese häusliche Palliativversorgung bestehe für Schwerstkranke mit begrenzter Lebenserwartung und komplexem Beschwerdebild schon seit 2007, erläutert Sabine Kronauer, die das Palliativteam koordiniert. Doch die Umsetzung in die Praxis ist mit vielen bürokratischen Hürden verbunden. Im Sommer hat sich daher im Landkreis eine eigene Genossenschaft gegründet, die unter Beteiligung von Medizinern, Wohlfahrtsverbänden, Apotheken, dem örtlichen Klinikum und dem Hospizverein diese spezielle Versorgung sicherstellen will.
Von 2012 an werden drei Ärzte und fünf Pflegekräfte, alle speziell palliativmedizinisch qualifiziert, rund um die Uhr bereit stehen. „Der Hausarzt bleibt der Hauszart“, betont Palliativpflegekraft Petra Huber, die im SAPV-Team mitarbeitet. Doch die Spezialisten unterstützen und begleiten mit ihrem speziellen Fachwissen. Auch wenn das SAPV-Team offiziell erst im Januar die Arbeit aufnimmt, betreuen und versorgen Ärzte und Pflegekräfte bereits jetzt Schwerstkranke im Landkreis. „Leider sind darunter auch immer wieder junge Mütter und Väter mit noch kleinen Kindern“, berichtet Huber. Gerade für diese Familien sei es wichtig, dass die Todkranken bis zuletzt in ihrem häuslichen Umfeld bleiben können. „Ziel ist es, Krankenhauseinweisungen zu vermeiden.“ Aber für Patienten wie pflegende Angehörige ist es in dieser anstrengenden und belastenden Situation unerlässlich, kompetente Unterstützung zu erhalten. „Weil sonst oft das Familiensystem zusammenbricht.“ Neben der medizinischen Hilfe hat das SAPV-Teamdeshalb auch psychische, soziale und spirituelle Belange im Blick. „Wir arbeiten vernetzt mit Seelsorgern, Psychologen und auch Anwälten“, sagt Huber. Die medizinische Betreuung der Patienten macht nur einen geringen Teil der SAPV-Arbeit aus. „70 Prozent dienen der Stützung des familiären Systems, indem wir den pflegenden Angehörigen Sicherheit und Zutrauen vermitteln.“
Die Einsatzstatistik der vergangenen Monate zeigt, dass die palliativmedizinische Unterstützung von den betroffenen Familien in der letzten Lebensphase ihres todkranken Angehörigen abgerufen wird. „23 von 26 Patienten haben wir nur zehn bis 18 Tage betreut“, sagt Huber. Noch ist die SAPV im Landkreis nicht allgemein bekannt, doch schon jetzt zeichne sich ein großer Bedarf ab. Ständig würden vier bis sechs Patienten betreut, „wir sind völlig ausgelastet“.
Finanziert werden die Leistungen des SAPV-Teams grundsätzlich von den Krankenversicherungen. Doch nach den Verhandlungsrunden mit den Kassen und den Erfahrungen bereits praktizierender SAPV-Teams in anderen Regionen steht fest, dass zu Beginn eine Anschubfinanzierung nötig sein wird. Nur so lasse sich die Liquidität für die ersten Monate des Geschäftsbetriebs gewährleisten, erklärt Koordinatorin Sabine Kronauer. Einen großen Beitrag dazu hat bereits die Charlotte und Hermann Schober Stiftung mit einer großzügigen Spende von 30.000 Euro geleistet.
Auch Eon Bayern und die Amperkliniken beteiligen sich mit einem Beitrag an den Anlaufkosten. Doch auch im laufenden Betrieb werden der SAPV Kosten bleiben, die aus Spenden und Fördergeldern zu tragen sind. Unter anderem für wichtige und hilfreiche Behandlungen, die von den gesetzlichen Kassen nicht ersetzt werden. „Zum Beispiel eine besondere Atemtherapie, die bei Schwerstkranken zur Entspannung beiträgt und ihnen Schmerzen nimmt“, erklärt Pflegefachkraft Huber. Oder auch spezielle Angebote, um den Abschied jüngerer Kinder vom Patienten zu begleiten und zu erleichtern. Mit einer Spende an den SZ-Adventskalender können SZ-Leser diesen Dienst unterstützen.
(SZ vom 17.12.11)